Freimaurerloge Wilhelm zu den drei Säulen im Orient Wolfenbüttel

Verfasser: Roger Reckewell

Erste freimaurerische Berührungen erfuhr die Stadt Wolfenbüttel durch Gotthold Ephraim Lessing. Lessing lebte hier ab 1770 bis zu seinem Tod 1781. Er arbeitet als Herzoglicher Bibliothekar.

Logenbijou

1744 wurde die erste Loge unter dem Namen „Jonathan“ im Herzogtum Braunschweig in der Stadt Braunschweig vom Herzog genehmigt. Warum wurde in Wolfenbüttel erst 1847 eine Freimaurer Loge gegründet? Vermutlich wäre dieses eher geschehen, wenn die Hofhaltung des Herzogs nicht 1754 nach Braunschweig gewechselt hätte. Dadurch verlor Wolfenbüttel fast 3.000 Einwohner. Die, die die Stadt verließen waren Männer, die dazumal Logen gründeten. Das Zeitalter der Aufklärung, das heißt des optimistischen Glaubens an unbeschränkten Fortschritt durch die Vernunft, bewirkte eine Blütezeit der Freimaurerei. Waren die deutschen Logen zuerst ein Tummelplatz der Aristokratie, so öffneten bzw. eroberten diese nun immer mehr die geistigen Eliten, die Politiker, Schriftsteller, Musiker, Künstler und Gelehrten. Die „königliche Kunst“, eine bis heute gebräuchliche Bezeichnung für die Freimaurerei, bot ihnen die Basis zu Gesprächen, die in der Öffentlichkeit geführt damals zu Repressalien geführt hätten.

Franz Heinrich August Lachmann
Franz Heinrich August Lachmann

Am 08. September 1847 erfolgte die „Installation“ der hiesigen Loge „Wilhelm zu den drei Säulen“ durch den deputierten Meister vom Stuhl der Loge „Carl zur gekrönten Säule aus Braunschweig“, Bruder Franz Heinrich August Lachmann. Dieser vollzog einen Auftrag des Großmeisters der „Grossen Loge in Hamburg“. Der regierende Herzog Wilhelm von Braunschweig hatte die Protektion übernommen und zuvor die Genehmigung zur Logengründung erteilt. Erster Meister vom Stuhl wurde der Kreisgerichtsdirektor Br. Hermann Voges. Neben den 21 Stiftungsmitgliedern hatte die Bauhütte bis zum 25. Stiftungsfest 1872 insgesamt 108 Aufnahmen und 10 Affilierungen vollzogen. 1882 erwarben die Brüder ein altes Wolfenbütteler Hofbeamtenhaus. Ein Jahr später erfolgte der Anbau von Festsaal und Tempel. Das repräsentative Gebäude war im Renaissancestil um 1590 erbaut worden.

Herzog Wilhelm
Herzog Wilhelm

Wie bei vielen Logen blieb die unterschiedliche Auffassung der Großlogen zum Anfang des Jahrhunderts nicht ohne Auswirkung auf die Wolfenbütteler Bauhütte. 1925 wechselte die Loge zur „Großen Loge von Preußen, genannt zur Freundschaft“ (bis 1914 mit dem Beinamen „Royal York“). Die Zwangsauflösung durch die Hitler-Regierung erfolgte am 15. Juli 1935. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Bauhütte noch aus 19 offiziell arbeitenden Brüdern. Glücklicherweise konnte das schöne Logenhaus an die Tochter eines Bruders verkauft werden, von der es die Loge 1950 zurück erhielt.

Ersatzbijou
Ersatzbijou

Nach dem 2. Weltkrieg begannen bereits 1945 erste Bestrebungen zur Wiedereinrichtung. Diese führten am 23. Mai 1947 zur Erlaubnis der Rekonstruktion durch die englische Militärregierung. Die Loge ist ein eingetragener Verein und arbeitet nach dem AFuAM-Ritual. Das alte Beamtenhaus wurde zwischenzeitlich mehrfach umfangreich saniert und gehört sicherlich zu den schönsten niedersächsischen Logenhäusern. Im September 1997 feiert die Loge „Wilhelm zu den drei Säulen“ das 150. Stiftungsfest. Der Mitgliederbestand ist seit Jahren konstant bei knapp 100 Brüdern.

Dr_August_Wolfstieg
Dr. August Wolfstieg

Von den Logenmitglieder wurden über die Ortgrenzen hinaus bekannt: Professor Dr. phil. August Wolfstieg (1859-1922). Br. Wolfstieg schloss sich nach dem Umzug in seine Heimatstadt 1919 der Wolfenbütteler Loge an. Freimauer war er zuerst in der Loge „Pythagoras zum flammenden Stern“ in Berlin geworden. Neben etlichen freimaurerischen Schriften blieb seine dreibändige „Bibliographie der freimaurerischen Literatur“ bis heute einzigartiges internationales Standardwerk.

Grab Wolfstieg
Grab Wolfstieg

Von den weiteren Brüdern sind zu nennen: Kammerherr und Stiftungsmitglied Friedrich Wilhelm von Unger (1792-1868), Pianoforte-Fabrikant Carl Friedrich Theodor Steinweg/way (1825-1889), Propst und Superintendant (Ehrenbürger von Dresden und Seesen) Hermann Apfel (1807-1892), Landschaftsmaler Carl August Heel (1841-1910), Landmaschinenfabrikant Franz Welger (1872-1925), Schriftsteller Friedrich Schaefer (1857-1930), Redakteur, Verleger und Politiker Heinrich Wessel (1868-1939), Musikdirektor Ferdinand Saffe (1867-1951), Bürgermeister und Landrat Paul Eyferth (1872-1956), der u. a. wegen seiner Logenzugehörigkeit 1933 zwangspensioniert wurde, Bibliotheksdirektor Professor Dr. Wilhelm Herse (1879-1965), Spirituosenfabrikant (Jägermeister) Curt Mast (1896-1970), Journalist und Schriftsteller (Ehrenbürger von Wolfenbüttel) Kurt Meyer-Rotermund (1884-1977), Musikverleger Karl-Heinz Möseler (1912-1984), Oberstudiendirektor Dr. Wolfgang Kelsch (1909-2002) und Kaufmann und Bankdirektor Helmut Mayer (1917-2008).